Der Barde als Lehrer

Geschichten - Texte aus eigener Feder

Der Barde als Lehrer

Die Barden waren reisende Lehrer. Sie kamen in die Orte und trugen ihre Lieder vor, die den Menschen die Erinnerung brachten. Die Erinnerung an die alten Zeiten, die Götter und die Sterne.

Doch waren die Barden mehr als fahrende Geschichtenerzähler. Sie tauschten sich untereinander aus, lernten was zu lernen war und brachten die Erfahrungen der Reise mit nach Hause. Ihr Heim waren die Haine der
Druiden, wo sie die Grundlagen ihres Handwerks erlernten. Dazu gehörte Sprach- und
Redegewandheit, die Sangeskunst, aber auch viele Fähigkeiten
die dem Überleben auf ihren langen Reisen dienlich waren, und die ihnen erlaubten überall wo ihnen das Gastrecht gewährt wurde, von Nutzen zu sein.

Drei Meisterschaften besaß ein Barde: Über das Wort, über die Stimme, und über das weltliche Wissen. Diese ermöglichten ihm, seiner Rolle als Lehrer gerecht zu werden, der nicht nur weltliches Wissen vermittelt, sondern die Menschen mit Wort und Stimme dem Göttlichen einen Schritt näher bringt.

So reisten die Barden Jahr ein, Jahr aus zu Fuß durch Welt, Wissen schenkend und stets lernend. Die wandernden Barden forderten keinen Lohn für ihre Dienste, doch nahmen sie dankend und demütig an, was man ihnen im Ausgleich für ihre Arbeit schenkte. Schritt für Schritt gingen sie so den Weg, der das Wissen in der Welt außen mehrte und sie im Inneren zu ihrer Seele führte. Denn für die Barden lag der Dienst an der Schöpfung
im Lehren und Lernen.

Ihr Ursprung liegt im Lernweg des Menschen. Als die Druiden lange nach dem Fall von Atlantis die Menschen in ihrer neuen Heimat zu unterrichten begannen, stellten sie fest, daß es viele gab, die den Weg der Seele zu gehen bereit waren, jedoch in ihrer Entwicklung nicht so weit
fortgeschritten waren, das Sein des Druiden tragen zu können.

So wurden die ersten Barden ausgebildet und auf ihre Reise geschickt. Drei Ziele sollten so erreicht werden: Das erste war, dem Barden zu ermöglichen seine Entwicklung zu beschleunigen; denn auf seinen Reisen würde er viel mehr Erfahrungen sammeln, als ihm sonst zugänglich wären.
Jede Begegnung ist für einen Barden ein Spiegel, jedes neue Wissen ein Trittstein auf seinem Weg.

Das zweite Ziel bestand darin, die Entwicklung in der Welt der Menschen zu unterstützen. Die Barden würden als Boten und Mittler dem Frieden und Austausch zwischen den Stämmen dienen, sie würden als Lehrer und Berater helfen, Weisheit zu mehren, und als Sänger und Geschichtenerzähler den Menschen Freude und Erleichterung verschaffen.

Der Wunsch der Druiden, über fähige Mittler zwischen den Hainen und der Außenwelt zu verfügen, war das dritte Ziel. Denn oft entstanden Missverständnisse zwischen denen, deren Ursprung im Weg der Seele lag und denen, deren Wurzeln in der Welt lagen. Doch waren beide aufeinander angewiesen.

Den höchsten dieser Mittler nannte man Talesin. Seine Aufgabe bestand darin, direkt aus dem Hohen Rat heraus das Wort des Göttlichen in die Welt zu tragen. Eine schwere Aufgabe in der Tat! Denn um zu wirken, musste das Wort ohne an Wahrheit zu verlieren so umgestaltet werden, daß es dort, wo es gehört wurde auch angenommen wurde.

In der Blütezeit ihres Wirkens gab es viele hundert Barden, die weit über die Inseln hinaus reisten und überall, wo es Wissen zu finden gab, auf die Suche nach sich selbst gingen. Bald gab es keinen König, keinen Ältesten, der nicht die Dienste eines Barden für sein Haus wünschte. So entstanden viele Traditionen, die noch lange Bestand hatten. Das Abhalten eines Rätselwettstreits in der königlichen Halle, der Minnesänger, der Hofnarr, der nur wahres spricht – all diese sind nur schwache Echos der Barden der alten Zeit.

Doch immer noch werden Barden geweiht. Weder sind sie viele an der Zahl, noch reisen sie als Geschichtenerzähler durch die Welt; aber den Weg zur Seele gehen sie immer noch lernend, lehrend, liebend...in Ehre.

 

Sir Markus